Nammen

    Nammen mit 2.264 (Stand 31.12.2017) Einwohnerinnen und Einwohnern liegt nördlich des Wesergebirges an der Grenze zum Niedersächsischen Landkreis Schaumburg. Erstmalig urkundlich erwähnt wird es im Jahr 1270. Die Bedeutung des Ortsnamens „Nammen“ (oder „Namnen“) ist bis heute nicht abschießend geklärt. Vermutet wird allerdings, dass es der Name eines Baches war und aus vorgermanischer Zeit stammt.St. Laurentius Kapelle © Dorothea Picht

    Das älteste erhaltene Gebäude und Wahrzeichen des Ortes ist die St. Laurentius-Kapelle. 1523 wurde sie an einer Stelle errichtet, an der bereits seit ca. 1350 eine Vorgängerkapelle gestanden hat. Sie ist die älteste Fachwerkkapelle Westfalens und wahrscheinlich die älteste im gesamten norddeutschen Raum. Die Bronzeglocke aus dem Jahr 1654 läutet noch heute täglich um 8 Uhr, 12 Uhr und 18 Uhr. 1685 wäre die Kapelle beinahe einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen. Etwa fünfzig Jahre später überstand sie eine weitere Brandkatastrophe ebenfalls unbeschadet. Da die benachbarten Höfe bei diesen Unglücken vollständig abgebrannt sind, wurde die Unversehrtheit der Kapelle von den Dorfbewohnern als besondere Fügung Gottes angesehen.
    Heute wird sie vorrangig als „Hochzeitskapelle“ und für besondere Gottesdienste genutzt, so beispielsweise immer am „dritten Feiertag“ zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Diese Tradition geht auf das Spätmittelalter (um 1450) zurück, als in der Vorweihnachtszeit die Pest in Nammen wütete und keins der 50 Häuser verschont wurde. Die verzweifelten Angehörigen der Kranken versammelten sich vor der Kapelle und gelobten die hohen Feste Ostern, Pfingsten und Weihnachten mit einem dritten Feiertag zu begehen, sollte Gott der Pest Einhalt gebieten. Das „Wunder der Heiligen Nacht“ geschah und seitdem wird in Nammen, einmalig in ganz Deutschland, dieser Brauch aufrechterhalten. 1776, als eine schwere Viehpest alle Kühe des Dorfes dahingerafft hatte, wurde das Gelübde erneuert.
    Um den Erhalt und die Pflege der St. Laurentius-Kapelle kümmert sich der 1984 gegründete „Kapellenverein Nammen“.

    Nammen bildet mit den Ortsteilen Lerbeck, Meißen und Neesen die Kirchengemeinde Lerbeck. Dies war jedoch nicht immer so. Ende des 15. Jahrhunderts gehörte Nammen noch zum Kirchspiel Petzen (Kreis Schaumburg). Ab 1675 kam es zu einer Teilung des Ortes in kirchlicher Hinsicht: alle sich neu ansiedelnden Einwohner gehörten zum Kirchspiel Lerbeck, die alten Hofstellen verblieben bei Petzen. Diese Situation führte zu 250 Jahre dauernden Streitigkeiten, bis 1911 auch der noch zu Petzen gehörende Teil Nammens nach Lerbeck umgepfarrt wurde.

    Neben der Landwirtschaft war die Kalkbrennerei eine wichtige Erwerbsquelle seit dem 19. Jahrhundert. Sie versorgte das Baugewerbe mit Löschkalk und die Landwirtschaft mit Düngekalk. Die Nammer Öfen waren Teil einer geschlossenen Kette von Kalkbrennereien entlang der Nordhänge des Weser- und Wiehengebirges, da dort die Kalksteinschichten zutage treten. 1818 gab es in Nammen vier Kalkbrennereien; insgesamt bekannt sind sechs. Aufgrund der sehr hohen Herstellungskosten (sehr harter Stein mit nur 70 % Kalkgehalt, hohe Abraumschichten über dem Kalkstein) und des Konkurrenzdrucks seitens Unternehmen aus dem Teutoburger Wald und aus dem rheinisch-westfälischen Abbaugebiet mussten jedoch im Laufe der Zeit alle Betriebe geschlossen werden. Die letzten aktiven Kalköfen Kohlmeier und Timmerberg wurden 1964/65 aufgegeben. Während der Kohlmeiersche Kalkofen 1971 abgebrochen wurde, ist der Ofen Timmerberg, der einzige gut erhaltene Westfalens, als besonderes Baudenkmal anerkannt und renoviert worden.

    1810 wurden drei schwefelhaltige Quellen im „Nammer Holz“ entdeckt. In Bad Nammen wurde zunächst unter freiem Himmel gebadet, bevor 1813 Laubhütten mit zwei Badewannen den Badenden etwas mehr Sichtschutz gewährten. 1826 ersetzte ein kleines Badehaus die bisherigen provisorischen Einrichtungen. Mit dem Badebetrieb ging es stetig aufwärts: 20 Gästen und 113 Bädern im Jahre 1829 stehen 201 Gäste und 1651 Bäder 1836 gegenüber. In der Zwischenzeit wurde der Betrieb vom Schwiegersohn der bisherigen Besitzerin Stukert, Nolting, übernommen. Ca. 30 Jahre später (1864) führte sein Sohn den Badebetrieb fort. Unter seiner Regie stieg die Anzahl der Besucher weiter an: 1873 waren es schon 4328 verabreichte Bäder. Auch das Bad erfuhr ständig weitere Ausbauten und Erweiterungen.1889 wurde eine Telegrafen-Betriebsstelle eingerichtet und ein Jahr später (1890) ein neues imposantes Kur- und Badehaus mit 65 Räumen, davon 40 Gästezimmer, anstelle der alten Räumlichkeiten errichtet. Durch den Bau der „Mindener Kleinbahn“ war ab 1916 die Anreise nach Bad Nammen auch auf dem Schienenwege möglich. Bis dato fuhr man von Minden und Bückeburg aus mit der Pferdekutsche vor.
    Nach dem Tod der Eltern dachte deren Sohn nicht an eine Fortführung des Familienbetriebs. 1918 wurde es an die Familie Wiebke aus Gelsenkirchen verkauft. Obwohl man um 1920 im Jahresdurchschnitt zwischen 6800 und 7000 Schwefelkuren im Jahresdurchschnitt verabreichte und 1927 das Badehaus noch erweiterte, waren die Kosten für Instandhaltung und Ausbau höher als die Einnahmen aus den Sommermonaten. 1932 musste Bad Nammen versteigert werden. Unter dem nun folgenden Wechsel von Besitzern und Pächtern setzte sich der Niedergang des Bades fort. 1970 musste der Badebetrieb endgültig eingestellt und das Gebäude nach zwei Bränden abgerissen werden. Von dem ehemaligen Vorzeigeobjekt Nammens ist nur noch eine wild wuchernde, kahle Stelle übrig geblieben.

    (Text: Andreas Peters)

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    Kirchweg 36
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    Aufgaben

    Vorsitzender Bezirksausschuss IV

    Funktion

    Nammen / Wülpke / Kleinenbremen
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