Die ev.-luth. Kirche in Holzhausen

    Viele werden schon einmal den Berg in Porta Westfalica bestiegen haben, um sich zum Beispiel den Bismarckturm anzusehen, kurz sie werden die Sehenswürdigkeiten der näheren Umgebung kennen und haben dazu schon oft beträchtliche Wege gemacht. Wie viele aber sind wohl schon an der Holzhauser Kirche vorbeigekommen, ohne sie überhaupt eines Blickes zu würdigen? Was sollte auch anziehend daran sein?

    Von außen bestimmt nichts, man muss sich einmal bemühen, die Treppen, die zu ihr hinaufführen, emporzusteigen.

    Dieses Gotteshaus hat einen Turm, der einfach und schlicht mit einem Satteldach bedeckt ist, das für unsere heimischen Kirchen typisch ist. Die Kirche zählt sie zu den Ältesten in der Region und mag nicht viel später erbaut worden sein, als der Dom zu Minden, der ebenfalls unter den Karolingern errichtet wurde. Es war offensichtlich ein Wehrturm; das beweisen die Schießscharten. Wir wissen, dass sich die Holzhauser, wenn der Krieg im Lande tobte oder sonstige Gefahr drohte, in die Kirche zurückzogen und sich dort verteidigten. Deshalb baute man eine Kirche meist hoch, möglichtst auf einen Hügel, und hierin liegt auch der Grund der Tatsache, dass man heute noch die Stufen emporsteigen muss, um dem Gottesdienst beizuwohnen. So wurde die Holzhauser Kirche dann auch im Dreißigjährigem Kriege zerstört, mit Ausnahme der Südseite. Hier bemerken wir noch heute gotische Fenster mit Steinmetz Zeichen.

    Treten wir nun in die Kirche ein: Über den alten Grabsteinen liegt heute ein Läufer, der zwischen den Bänken hindurch zum Traualtar führt, den die Römische Wölbung der kleinen Apsis umgibt. Über Jahrhunderte wurden diese Grabsteine abgetreten. Die Namen der Geschlechter, von denen sie künden, sind längst in den Kirchenbüchern vergilbt. Und dann fällt zunächst einmal der Blick auf den Chor. Wir können hier aber von einem eigentlichen Chor nicht reden, wohl aber von einer Rundbogen Apsis, an der wir an der Südostseite bemerkenswerte Malereien des 15. Jahrhunderts entdecken können. So kann man unter anderen St. Johannes mit dem Kelch, St. Philippus mit dem Buch und St. Jakob mit dem Winkelmaß erkennen. Christus steht lose an der Matersäule angelehnt, die Henkersknechte haben Peitschen in der Hand, und neben ihnen können wir St. Thomas mit Schwert und Buch und St. Bartolomäus mit einem Messer erkennen. Vor der Apsis erhebt sich ein Tatzenkreuz. Sieht man nun noch genau auf die Malereien, so sind übertünchte Reste früherer Bemalung zu erkennen. So erblickt man zum Beispiel neben den heiligen Jakobus und die Reste der Figur eines Bischofs in blauem Ornat. Die zwei Teile der Mitra ergänzen sich fast zu einem spitzen Hut.
    Alte Ansicht der Holzhauser Kirche (© Rainer Traue)

    Hinter dem einfachen Altar befindet sich noch ein Grabstein von 1666, daneben eine goldbemalte Gedenktafel des Schwedischen Obrist-Leutnants von Mey. Ein Taufengel mit Taufschale dürfte noch unsere Aufmerksamkeit erregen. Er gehört dem 17. Jahrhundert an und ist aus Holz gearbeitet. Ein Blick rund , und man sieht an den Emporen einen Zyklus von 42 Bildern aus dem Alten und Neuen Testament. Jede Person hat eine Unterschrift, die seine Taten rühmt. Verschiedene Stifterwappen sind noch eingestreut, zum Beispiel Julius, Ernst von Wartensleben und Philipp Sigismund von Friesenhausen. Die Besitzer der Güter von Holzhausen „Amorkamp“ und Rothenhoff waren einst die Patronatsherren der kleinen Weserkirche. Von der erhöhten Stelle des Dorfes ging der Blick zur Weserpforte.

    Ich habe versucht, kurz die Werte der Kirche in Holzhausen a. d. Porta herauszustellen, und ich möchte vor allem diejenigen aus der näheren Umgebung anregen, sie zu erkennen und bei Gelegenheit auszuwerten.

    (Text: Rainer Traue)

     

    Glocken für die Kirche

    Das Ortsgemeinschaftsfest 1990 ist mit einem besonderen Ergebnis der Ev.- Luth. Kirchengemeinde Holzhausen verbunden: Die Kirche am Gänsemarkt, eine der ältesten im hiesigen Raum, erhält neue Glocken. Dazu schreibt Pfarrer Schierbaum in der Festschrift:

    „Im Mai 1988 beschloss das Presbyterium der Kirchengemeinde nach ausführlichen Beratungen mit dem Glockensachverständigen des Landeskonservators und der Ev. Kirche von Westfalen sowie nach Kontaktaufnahmen mit verschiedenen Glockengießereien, das Geläut der Holzhauser Kirche durch drei neue Glocken zu erweitern. Durch eine große Spendenbereitschaft der Holzhauser für diesen Zweck konnte es schon im Dezember 1989 ermöglicht werden, die Glockengießerei Petit und Gebr. Edelbrock in Gescher bei Coesfeld mit den Guss der drei neuen Glocken zu beauftragen. Dieser wurde am 23. Februar 1990 durchgeführt.“

    Ein vollständiges Geläut ist durch einen mehrstimmigen Klang gekennzeichnet. Die beiden bislang im Turm der Holzhauser Kirche hängenden Glocken aber klingen gleich. Um hier zu einer befriedigenden Lösung zu kommen, die auch der Tatsache gerecht wird, dass die vorhandenen Glocken auf Grund ihres Alters (von 1492 bzw. 1552) unter Denkmalschutz stehen und zu erhalten sind, sollten sie durch in tonlich angepasstes dreistimmiges Geläut ergänzt werden. Eine der beiden alten Glocken ist somit ohne weiteres in das neue Geläut mit einzubeziehen, die andere wird zu besonderen Zwecken als Einzelglocke geläutet.

    Die Inschriften der Glocken lauten:

    von 1492 = sancte simo und judaes is min name, min lut si got bequame.
    von 1552 = Alle dinck is vor Genklick, averst Godes Wort dat blift Ewich.

    Mit der Beauftragung zum Glockenguss ergab sich für das Presbyterium natürlich auch die Frage nach der äußeren Gestaltung der Glocken, d.h. nach deren Inschriften. Entscheidend für eine Auswahl war, dass sie Grundaussagen des christlichen Glaubens beinhalten und zu den Anlässen passen sollten, zu denen die Glocken geläutet werden. So wird die große der drei neuen Glocken (400 kg) bei Trauerfällen zu hören sein und die Inschrift tragen: „UNSER GLAUBE IST DER SIEG DER DIE WELT ÜBERWUNDEN HAT“. Die mittlere Glocke (300 kg) dient als Gebetsglocke: „GELOBET SEI
    GOTT DER MEIN GEBET NICHT VERWIRFT“. Die kleine Glocke (220 kg) wird bei Taufen und Abendmahlfeiern läuten. Ihre Inschrift lautet: „FREUT EUCH DASS EURE NAMEN IM HIMMEL GESCHRIEBEN SIND“. 

    Wenige Wochen vor dem 10. Juni 1990 gelangten die neuen Glocken schließlich nach Holzhausen a. d. Porta. Nach alter Tradition wurden sie zunächst an den Ortseingang transportiert. Am Feuerwehrgerätehaus an der Möllberger Straße wurden sie dann am 09. Juni auf drei Wagen gehoben und dort liebevoll geschmückt.

    Während je ein Wagen die Ortsgemeinschaft sowie die Kirchengemeinde mit vielen Blumen verziert hatten, war die kleinste Glocke, die künftig bei Taufen und Abendmahlfeiern erklingen soll, von den Kindern der Grundschule mit Luftballons versehen worden.

    Bei strömenden Regen zog dann einen Tag später unter Beteiligung einer großen Gemeinde der Festumzug vom Feuergerätehaus zur Kirche, musikalisch begleitet vom Posaunenchor Holzhausen. Die drei Glocken wurden an einem eigens für diesen Tag durch die Ortsgemeinschaft errichteten Gerüst aufgehängt und nach dem Gottesdienst ließen die Kinder sie zum ersten Mal erklingen.

    Im Anschluss daran konnten sich alle mit einer Erbsensuppe stärken und dabei dem Auftritt der Volkstanzgruppe Costedt zusehen oder den Glockenturm besteigen. Für die kleinen Gäste war ein Luftballonwettbewerb vorbereitet.

    Im Turm haben die drei neuen Glocken dann später ihren Patz neben den beiden ältesten Glocken der Stadt Porta Westfalica gefunden. Diese beiden waren einst in Holzhausen unter äußerst schwierigen Verhältnissen gegossen worden. Vermutlich hatte man sie aus eingeschmolzenen Kanonenstücken und Zinnbechern hergestellt. In der Regel waren es Kannegießer, die in Friedenszeiten Glocken und während der Kriege Kanonen gegossen haben. Nicht selten wurden
    Glocken auf diese Weise Kanonen und umgekehrt Kanonen wieder zu Glocken.

    (Text: Rainer Traue)

    Foto Glocke Holzhausen 1 (© Rainer Traue)

    Foto Glocke Holzhausen 2 (© Rainer Traue)

     

     

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